In meiner 3-jährigen Ausbildung habe ich im Museum auch die Möglichkeit gehabt, ein "Gesellenstück" zu bauen. In Anführungszeichen desswegen, weil es nicht mehr zwingend ist, ein Gesellenstück zu bauen. Es hatte keinen Einfluss auf die Abschlussprüfung und Benotung.

Für mich stand fest, dass es eine Klappzahlenuhr werden muss. Ich hatte zu Hause in der Ersatzteilkiste noch ein altes, englisches Pendeluhrwerk mit Federzug von 1900, das ich immer zu schade zum Ausschlachten fand. Dieses Uhrwerk wollte ich als Antrieb für meinen Klappzahlenmechanismus verwenden.

Ganz zu Anfang wurde die Idee ersteinmal in CAD digitalisiert um zu sehen ob alles so funktioniert wie ich mir das vorgestellt habe.

Als knifflig stellte sich die Auslösung für das gemeinsame Fallen der Minute und Stunde heraus. Bei meiner Planung sollte die Stunde auf einer eigenen Welle über der Minute liegen. Parallel zueinander. Nun musste eine Lösung her, die das gleichzeitige Abfallen von Minute :59 auf :00 mit der Stunde garantierte. Nicht vorher und nicht nacher. Als am einfachsten zu realisieren stellte sich dann eine Zangenkonstruktion heraus.

Das Minutenblatt und das Stundenblatt werden zum Ende der zeitlichen Stunde hin nicht mehr von den normalen Federblättchen über den jeweiligen Blättern gehalten, sondern nur noch von den Federblättchen der Zange. Zur vollen Stund drückt dann ein Hebel schlagartig den Bolzen der Zange nach innen, woraufhin sich die Zange "öffnet", wie im Bild zu sehen, und die Blätter frei gibt.

Nachdem die Uhr in CAD stand ging es an die Anfertigung. Die Fallblätter mit den Walzen stammen aus einer 7€ Quarz-Billiguhr. Alles andere bis auf das Antriebsuhrwerk, wurde in Handarbeit selbst angefertigt.

Zuerst kamen die Platinen, die ausgesägt und bearbeitet werden mussten.

Als die Platinen fertig waren, habe ich die Pfeiler angefertigt und die Platinen noch schön zurecht gefeilt.

Das Grundgestell war fertig. Nun konnte ich mit dem ersten Fräsen der Zahnräder beginnen. Da auf der Fallblattwalze für die Stunden nicht 12 sondern 24 Stunden aufgedruckt waren, musste ein neues Stundenrad angefertigt werden. Ausgerechnet habe ich ein 144er Rad das in das 6er Trieb des Wechselrades eingreift. In drei Durchgängen wurde das Rad aus Messing gefräst. Bedingt durch den Durchmesser des Rades, musste der Fräser sehr lang eingespannt werden. Es klingelte beim Fräsen wie ein Telefon, aber die Zähne sind dennoch sehr gut geworden. Keine Rattermarken oder sonstige Makel.

Da ich zumindest ein Rad auch einmal schenkeln wollte, entschied ich mich für dieses. Ich habe eine Schenkelung entworfen und ausgesägt. Wie ich finde ist diese sehr gut gelungen.

Nach diesem Rad kamen noch zwei weitere dran. Ein 70er und ein 35er Rad welche für den Auslösemechanismus - wie gelesen - im Verhältnis 1:2 stehen. Als die Räder alle fertig waren mussten Buchsen angefertigt werden, damit die Räder auf den Wellen befestigt werden können.

Grob zusammengebaut nahm die ganze Uhr schon allmälich Gestalt an...

Nun wurden die Halteklötchen für die Zangenglieder angefertigt. Ein Klötzchen hat die Maße 5x5x5 Millimeter.

Nächster Schritt waren die Zangenglieder und der Gleitbolzen aus Stahl. Am Gleitbolzen wurde an der Seite an welcher der Hebel schleift eine Kuppe angebracht, die hochglanzpoliert wurde um minimalste Reibung zu ermöglichen.

Eingebaut sah das ganze dann so aus:

Bedingt durch die Platinenstärke von nur 1,5mm würde sich so der Bolzen aber sehr leicht verklemmen, wenn er vom Hebel hineingeschoben wird. Also musste ich noch ein Führungsröhrchen anfertigen, welches in die Platine eingepresst wurde.

Damit die Zange von selbst wieder "zu" gehen kann, musste noch eine Rückholfeder aus Federblech angefertigt und angeschraubt werden.

Zum nahen Schluss wurde nun noch der Auslösehebel angefertigt und angepasst; sowie die kleinen Halteblättchen für die Zange.

Das normale Halteblättchen für die Stunden konnte am oberen Pfeiler mittig befestigt werden. Das Halteblättchen für die Minuten hingegen habe ich an dem kleinen Schild montiert, dass zwischen Stunde und Minute befestigt ist.

Dann bekam die Uhr noch eine Grundplatte aus Aluminium und war so gut wie fertig...

Zu jeder selbstgebauten Uhr gehört auch ein schöner Aufzugschlüssel. Da ich keinen Innenvierkant hohnen wollte, habe ich einfach einen alten Großuhrschlüssel genommen, den Vierkant abgetrennt und außen etwas überdreht.

Auf der anderen Seite bekam er ein Gewinde geschnitten, in welches eine Madenschraube geschraubt wurde.

Um die Uhr auch sauber aufziehen zu können, ohne dass man mit dem Schlüssel an der Grundplatte anschlägt, musste eine Verlängerung angefertigt werden.

Vorteil der beiden zusammengeschraubten Teile ist, dass wenn die Uhr aufgezogen wird, zieht sich das Gewinde selbst fest. Versucht man gegen die ordentliche Aufzugsrichtung zu drehen, dann löst sich die Verschraubung. Es ist also gleichzeitig eine Sicherung für das Gesperr der Uhr im Schlüssel, das es vor falschem Aufziehen schützt.

Einen Flügel braucht der Schlüssel natürlich auch noch. Ich entschied mich hier für die klassische, runde Form mit zwei ausgesägten Pfoten.

Mit Hilfe meines Vaters (gelernter Orgelbauer) habe ich der Uhr noch einen schönen Holzsockel aus 100 Jahre alter, deutscher Eiche angefertigt.

Als Dank für die Mithilfe von meinem Meister Thomas Rebényi wurde auch noch eine kleine Dankesplatte an die Front geschraubt.

Mein damaliger Berufsschullehrer war von meiner Uhr so begeistert, dass er mich fragte ob ich die Uhr nicht auf dem Stand der Berufsschule/Meisterschule bei der Munich Time 2015 in München ausstellen wolle. Das ehrte mich natürlich sehr und ich willigte ein. 3 Tage stand die Uhr dort in der Vitrine (rechts) und lief ununterbrochen zuverlässig durch.

(Aus datenschutzrechtlichen Gründen muss ich das Gesicht der Person am Werktisch unkenntlich machen)