Es hat auch Vorteile in einem Museum zu arbeiten. Denn oft sind die Maschinen in den Museumswerkstätten bzw. Lagern genauso alt wie das Museum.

So kam es dazu, dass ich durch einen Zufall eine alte Flott Bohrmaschine bekommen habe, die nicht einmal die Kuratoren wollten. Hierbei handelt es sich um eine Bohrmaschine mit einem Antriebsmotor, welcher für 220V Gleichspannung (!) ausgelegt ist. Er stammt aus der Zeit als in Deutschland noch Gleichstromnetze verbreitet waren. 
Die Bohrmaschine stammt etwa aus den 30er Jahren.

 

 

 

 

Ich habe zwar schon eine Bohrmaschine. Aber diese hier fand ich so schön, dass ich mich erbarmt habe sie zu nehmen und wieder her zu richten. Ich wollte hierbei einen Kompromiss zwischen museumstechnischer Restaurierung und technischer Reparatur finden, damit die Maschine später wieder voll und sicher nutzbar ist.

Das war vor allem bei dem Motor der Fall. Wie in den 30ern üblich wurden hier stoffisolierte Kabel verwendet. 

 

 

 

 

 

 

Wie man sehen kann fehlt an dem Schalter die Schutzkappe. Diese werde ich noch nachfertigen müssen. Aber erst einmal den Schalter abmontiert und den Motor soweit wie möglich zerlegt.

 

 

 

 

 

 

 

Die Kabel die zum Kommutator gehen ließen sich einfach abschrauben und durch moderne, kunststoffisolierte Drähte ersetzen. Jedoch gingen die anderen beiden Kabel direkt in die Statorspulen, wodurch es mir nicht möglich war diese zu ersetzen. Ich habe sie dann gründlich auf Fehlstellen überprüft, doch auch nach 80 Jahren sahen sie noch überraschend gut aus, sodass ich sie einfach so gelassen habe wie sie sind. Alle Teile des Motors habe ich dann gründlich gereinigt und dann wieder zusammengebaut.

 

 

 

 

 

 

So, als der Motor im Testbetrieb dann auch lief, ging es an den restlichen Teil der Maschine. Zuerst habe ich einmal den Schmiernippel geöffnet, entfernt und vom alten fett befreit. Es hate eine karamellartige Konsistenz...

 

 

 

 

Dann kam die Riemenabdeckung dran. Sie war allerdings nicht besonders dreckig. Nur leicht wodurch die Farben eher matt wurden.

 

 

 

 

 

Nun kamen die blanken Metallteile an die Reihe. Ich wollte sie nicht einfach strahlen oder abschleifen. Da wäre ja die Objektgeschichte total hinüber... Darum habe ich mich für die elektrolytische Reinigung entschieden. Das Ergebnis finde ich persönlich immer am Besten. Hier sieht man den Unterschied an einem gereinigten und einem nicht gereinigtem Hebel.

 

 

Auch das Bohrfutter musste zerlegt werden. Dieses habe ich anschließend auch elektrolytisch gereinigt.

 

 

 

 

Auch der Auflageteller musste natürlich sauber gemacht werden. Dies habe ich mit Hilfe von Stahlwolle und einem Kriechöl namens MAX-5 gemacht. Da sich gleiches in gleichem löst, entfernt man altes Öl immer am Besten mit frischem Öl.

 

 

 

Ebenso der Körper der Maschine. Er wurde zerlegt, gereinigt und die rostigen Stellen mit Öl und Stahlwolle gereinigt.

 

 

Und am Ende kam wieder eine richtig hübsche Maschine bei raus. Was nun noch fehlt ist eben eine Abdeckung für den Schalter und ein Gleichrichter um den Wechselstrom aus der Steckdose gleichzurichten, damit die Maschine betrieben werden kann. Ebenso ein neuer Riemen, da der alte Lederriemen total verschimmelt war. Ebenso habe ich noch eine Flügelschraube besorgt, mit welcher die Riemenabdeckung nun sicher befestigt werden kann. Die Originale fehlte leider.